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Investitionsabzugsbetrag 2026: 50 % vorab abziehen (§ 7g EStG)

Bis zu 50 % einer geplanten Anschaffung schon vorher vom Gewinn abziehen: Voraussetzungen, Gewinngrenze 200.000 €, Fristen und Rechenbeispiel zum Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG.

Stand: 28.10.20266 Min. LesezeitRedaktion Team CAPSIVERA

Allgemeine Information der Redaktion Team CAPSIVERA – keine Steuerberatung im Einzelfall, ohne Gewähr.

Mit dem Investitionsabzugsbetrag (IAB) ziehen Sie bis zu 50 % der voraussichtlichen Kosten einer geplanten Anschaffung schon vorab vom Gewinn ab (§ 7g Abs. 1 EStG). Voraussetzung ist ein Gewinn von höchstens 200.000 € im Abzugsjahr, gerechnet vor dem IAB. Die Investition muss bis zum Ende des dritten Folgejahres erfolgen, sonst wird der Abzug rückwirkend mit Zinsen rückgängig gemacht.

Was der Investitionsabzugsbetrag ist

Der IAB ist ein Abzug für eine Anschaffung, die noch bevorsteht. Er mindert den Gewinn eines Jahres, in dem der Betrieb das Wirtschaftsgut noch gar nicht hat. Die Steuer sinkt dadurch sofort. Das Geld steht für die Investition zur Verfügung.

Eine endgültige Steuerersparnis ist der IAB nicht. Im Jahr der Anschaffung wird der Betrag dem Gewinn wieder hinzugerechnet. Gleichzeitig dürfen die Anschaffungskosten um denselben Betrag gesenkt werden. Die spätere Abschreibung ist dadurch niedriger. Unterm Strich wird Steuer in die Zukunft verschoben. Fällt der Steuersatz im Abzugsjahr höher aus als in den späteren Jahren, bleibt ein echter Vorteil.

Bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird der IAB in der Anlage EÜR erklärt. Bilanzierende Betriebe ziehen ihn außerhalb der Bilanz ab. Die Angaben müssen elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden (§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 EStG). Mehr zu beiden Gewinnermittlungsarten im Ratgeber EÜR oder Bilanz.

Voraussetzungen und Werte 2026

Punkt

Regel 2026

Rechtsgrundlage

Höhe

bis 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten

§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG

Begünstigte Wirtschaftsgüter

abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, neu oder gebraucht

§ 7g Abs. 1 Satz 1 EStG

Gewinngrenze

höchstens 200.000 € im Abzugsjahr, ohne IAB und Hinzurechnungen

§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG

Gewinnermittlung

Bilanz oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung

§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG

Höchstbetrag je Betrieb

200.000 €, Abzugsjahr und drei Vorjahre zusammen (noch offene Beträge)

§ 7g Abs. 1 Satz 4 EStG

Investitionsfrist

bis zum Ende des dritten Wirtschaftsjahres nach dem Abzugsjahr

§ 7g Abs. 3 EStG

Nutzung

im Anschaffungsjahr und im Folgejahr vermietet oder (fast) ausschließlich betrieblich in einer inländischen Betriebsstätte

§ 7g Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 EStG

Verlust

IAB darf einen Verlust entstehen lassen oder erhöhen

§ 7g Abs. 1 Satz 3 EStG

„Fast ausschließlich betrieblich“ heißt nach Verwaltungsauffassung: höchstens 10 % private Nutzung. Das konkrete Wirtschaftsgut müssen Sie bei der Bildung nicht benennen. Es reicht, dass später ein begünstigtes Wirtschaftsgut angeschafft wird.

Ablauf: vom Abzug bis zur Investition

  1. Abzugsjahr: In der Steuererklärung oder im Jahresabschluss wird der IAB angesetzt. Das geht auch noch im Folgejahr, solange die Erklärung offen ist. Eine Bildung vor dem 31. Dezember ist nicht nötig.

  2. Anschaffung: Das Wirtschaftsgut wird in einem der drei folgenden Wirtschaftsjahre geliefert.

  3. Hinzurechnung: Im Anschaffungsjahr werden bis zu 50 % der tatsächlichen Kosten dem Gewinn hinzugerechnet, höchstens der gebildete IAB (§ 7g Abs. 2 Satz 1 EStG).

  4. Herabsetzung: Im selben Jahr dürfen die Anschaffungskosten um bis zu 50 % gekürzt werden, höchstens um den Hinzurechnungsbetrag (§ 7g Abs. 2 Satz 3 EStG). Das neutralisiert die Hinzurechnung.

  5. Abschreibung: Die AfA rechnet vom gekürzten Betrag, auf Wunsch degressiv und zusätzlich mit der Sonderabschreibung nach § 7g.

  6. Nutzungsphase: Im Anschaffungsjahr und im Folgejahr muss das Wirtschaftsgut fast ausschließlich betrieblich genutzt oder vermietet werden.

Ist der Bescheid für das Abzugsjahr bereits bestandskräftig, kann ein IAB nur noch nachträglich angesetzt werden, wenn das Wirtschaftsgut zu diesem Zeitpunkt noch nicht angeschafft ist (§ 7g Abs. 2 EStG).

Rechenbeispiel: Transporter für 50.000 €

Beispiel: Ein Malerbetrieb (Einzelunternehmen) plant für 2027 einen Transporter mit Dieselmotor für 50.000 € netto. Der Gewinn 2026 liegt vor IAB bei 140.000 €. Der Transporter wird im März 2027 geliefert und fast nur betrieblich genutzt. Die Nutzungsdauer wird mit 8 Jahren angenommen, der degressive Satz beträgt also 30 %.

Jahr

Vorgang

Gewinnwirkung

2026

Investitionsabzugsbetrag 50 % von 50.000 €

− 25.000 €

2027

Hinzurechnung des IAB

+ 25.000 €

2027

Herabsetzung der Anschaffungskosten

− 25.000 €

2027

Sonderabschreibung 40 % von 25.000 €

− 10.000 €

2027

degressive AfA 30 % von 25.000 €, 10/12

− 6.250 €

2026 und 2027 zusammen

− 41.250 €

Bis Ende 2027 sind damit 82,5 % der Kosten abgezogen, obwohl der Transporter erst seit zehn Monaten im Betrieb ist. Ohne IAB und Sonderabschreibung wären es nur 12.500 € degressive AfA im Jahr 2027 (30 % von 50.000 € für 10 Monate). Der Gewinn 2026 sinkt auf 115.000 €. Die Steuerersparnis hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab. Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 40 % sinkt die Einkommensteuer 2026 um rund 10.000 €. Der IAB mindert auch den Gewerbeertrag, weil er den Gewinn senkt.

Der Vorteil ist eine Verschiebung. Weil die Anschaffungskosten herabgesetzt werden, fällt die AfA in den Jahren nach 2027 entsprechend niedriger aus. Über die gesamte Nutzungsdauer werden genau 50.000 € abgezogen.

Mehrere Abzugsbeträge

Sie können in mehreren Jahren IAB bilden und den Satz von 50 % auch nur teilweise ausschöpfen. Bei der Anschaffung werden höchstens 50 % der tatsächlichen Kosten hinzugerechnet. Nicht verbrauchte Beträge bleiben für weitere Investitionen offen, bis ihre Frist abläuft. Der Höchstbetrag von 200.000 € je Betrieb gilt für die noch offenen Beträge aus dem Abzugsjahr und den drei Vorjahren zusammen.

Wenn die Investition ausbleibt oder die Nutzung nicht passt

Keine Investition bis zum Fristende: Wird der IAB nicht bis zum Ende des dritten Folgejahres hinzugerechnet, wird er im Abzugsjahr rückgängig gemacht (§ 7g Abs. 3 EStG). Für den IAB 2026 ist das Ende 2029. Der Bescheid 2026 wird geändert, auch wenn er bestandskräftig ist. Für die Nachzahlung fallen Nachzahlungszinsen ab dem regulären Zinslauf an. Der IAB kann auch freiwillig vorzeitig aufgelöst werden.

Nutzungsbedingung verletzt: Wird das Wirtschaftsgut im Anschaffungs- oder Folgejahr zu mehr als 10 % privat genutzt, verkauft oder ins Ausland verlagert, werden Hinzurechnung, Herabsetzung und IAB rückgängig gemacht (§ 7g Abs. 4 EStG).

Günstiger als geplant: Kostet das Wirtschaftsgut weniger, wird nur 50 % der tatsächlichen Kosten hinzugerechnet. Der Rest bleibt offen und kann für eine andere Investition genutzt oder muss nach Fristablauf rückgängig gemacht werden.

Sonderfälle

Pkw mit Privatnutzung

Ein Firmenwagen, der auch privat gefahren wird, erfüllt die 90-%-Grenze oft nicht. Den Nachweis müssen Sie führen. Ein Fahrtenbuch ist dafür nicht zwingend, andere Beweismittel sind möglich (BFH, Urteil vom 16.3.2022, VIII R 24/19). Wer die 1-%-Regelung anwendet, hat keine Aufzeichnungen über den Privatanteil und damit ein Beweisproblem.

Elektrofahrzeug

Der IAB lässt sich mit der 75-%-Abschreibung nach § 7 Abs. 2a EStG kombinieren. Ausgeschlossen ist dort nur die Sonderabschreibung. Bei 60.000 € ergibt sich so bis Ende des Anschaffungsjahres ein Abzug von 87,5 %. Rechnung im Ratgeber E-Auto-Abschreibung 2026.

GWG durch Herabsetzung

Die Herabsetzung gilt auch für die GWG-Grenze. Ein Gerät für 1.500 € wird nach Kürzung um 750 € zum geringwertigen Wirtschaftsgut und kann sofort abgezogen werden.

GmbH und Personengesellschaft

Der IAB steht auch einer GmbH zu, die Gewinngrenze von 200.000 € gilt dann für die Gesellschaft. Bei einer Personengesellschaft tritt die Gesellschaft an die Stelle des Unternehmers (§ 7g Abs. 7 EStG). Ein IAB aus dem Gesamthandsgewinn muss auch für eine Investition der Gesellschaft verwendet werden.

Typische Fehler in der Praxis

  • IAB nach Jahresende für verpasst gehalten. Der IAB für 2026 wird mit dem Jahresabschluss 2026 gebildet, also meist im Jahr 2027.

  • Gewinngrenze nach Abzug geprüft. Maßgeblich ist der Gewinn ohne IAB und ohne Hinzurechnungen. Ein Gewinn von 210.000 € lässt sich nicht durch einen IAB unter die Grenze drücken.

  • Investition im Abzugsjahr selbst. Ein IAB für 2026 deckt nur Anschaffungen ab 2027. Wer 2026 kauft, nutzt stattdessen die Sonderabschreibung.

  • Firmenwagen mit 1-%-Regelung. Der IAB für einen privat genutzten Pkw scheitert in der Praxis oft an der 90-%-Grenze.

  • Herabsetzung vergessen. Ohne Herabsetzung erhöht die Hinzurechnung den Gewinn, ohne dass ein Ausgleich folgt.

  • IAB ohne realistische Planung. Ein Abzug „auf Vorrat“ wird nach drei Jahren mit Zinsen zurückgedreht. Bei Liquiditätsplanung und Vorauszahlungen sollte das berücksichtigt werden, siehe Steuervorauszahlungen und Rücklagen.

Interaktiver Rechner

IAB & Sonderabschreibung berechnen

Sehen Sie, wie viel Steuer Sie mit dem Investitionsabzugsbetrag und der Sonderabschreibung nach § 7g EStG vorziehen können. Richtwerte, keine individuelle Beratung.

IAB: bis zu 50 % der geplanten Anschaffungskosten schon vor dem Kauf gewinnmindernd abziehen (§ 7g Abs. 1). Sonderabschreibung: zusätzlich bis zu 40 % der geminderten Anschaffungskosten, frei verteilbar über das Anschaffungsjahr und die folgenden vier Jahre (§ 7g Abs. 5).
Wie wir rechnen – § 7g Schritt für Schritt
  1. IAB: bis zu 50 % der geplanten Anschaffungskosten schon vor dem Kauf gewinnmindernd abziehen (§ 7g Abs. 1).
  2. Voraussetzung: Gewinn im Jahr der Bildung höchstens 200.000 € und Investition innerhalb von 3 Jahren.
  3. Im Anschaffungsjahr wird der IAB gewinnerhöhend hinzugerechnet und zugleich von den Anschaffungskosten abgezogen (geminderte Bemessungsgrundlage).
  4. Sonderabschreibung: zusätzlich bis zu 40 % der geminderten Anschaffungskosten, frei verteilbar über das Anschaffungsjahr und die folgenden vier Jahre (§ 7g Abs. 5).
  5. Dazu läuft die normale lineare AfA über die Nutzungsdauer. § 7g verschiebt Aufwand nach vorn – ein Liquiditäts-, kein Dauervorteil.

Steuerstundung im Jahr der Bildung (IAB)

–

Vorgezogener Liquiditätsvorteil bis Anschaffungsjahr
–
IAB-Betrag (vorab abziehbar)
–
Geminderte Anschaffungskosten
–
Sonderabschreibung
–
Lineare AfA (Anschaffungsjahr)
–
Abschreibung Anschaffungsjahr gesamt
–

§ 7g wirkt als Steuerstundung, nicht als dauerhafte Ersparnis: Der IAB wird im Anschaffungsjahr gewinnerhöhend hinzugerechnet und mindert zugleich die Abschreibungsbasis. Voraussetzungen: bewegliches Anlagegut, mindestens 90 % betriebliche Nutzung, Investition binnen 3 Jahren. Vereinfachtes Modell – der tatsächliche Effekt hängt von Ihrer Gewinnsituation und der zeitlichen Verteilung ab.

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Investitionsabzugsbetrag im Video

Investitionsabzugsbetrag § 7gWie Sie Aufwand vorziehen und Steuern verschieben, bevor überhaupt investiert ist.

Häufige Fragen

Wie viel kann ich mit dem Investitionsabzugsbetrag abziehen?

Bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines beweglichen Wirtschaftsguts (§ 7g Abs. 1 EStG). Je Betrieb dürfen die offenen Beträge aus dem Abzugsjahr und den drei Vorjahren zusammen 200.000 € nicht übersteigen.

Welche Gewinngrenze gilt 2026 für den Investitionsabzugsbetrag?

Der Gewinn im Abzugsjahr darf 200.000 € nicht übersteigen, gerechnet ohne den Investitionsabzugsbetrag und ohne Hinzurechnungen. Die Grenze gilt für Einnahmen-Überschuss-Rechner und Bilanzierer gleich.

Kann ich den Investitionsabzugsbetrag für 2026 noch im Jahr 2027 bilden?

Ja. Der IAB wird in der Steuererklärung oder im Jahresabschluss für 2026 angesetzt, die meist erst 2027 erstellt werden. Ist der Bescheid für 2026 bereits bestandskräftig, geht das nur noch, wenn das Wirtschaftsgut zu diesem Zeitpunkt noch nicht angeschafft ist.

Was passiert, wenn ich doch nicht investiere?

Wird bis zum Ende des dritten Folgejahres nicht investiert, wird der Abzug im ursprünglichen Jahr rückgängig gemacht (§ 7g Abs. 3 EStG). Der Bescheid wird geändert, und auf die Nachzahlung fallen Zinsen an. Für einen IAB aus 2026 endet die Frist am 31.12.2029.

Geht der Investitionsabzugsbetrag auch für ein Firmenauto?

Ja, wenn das Fahrzeug im Anschaffungs- und im Folgejahr fast ausschließlich betrieblich genutzt wird, also höchstens zu 10 % privat. Bei Transportern ohne Privatfahrten ist das meist erfüllt, bei privat genutzten Pkw selten. Den Nachweis müssen Sie führen, ein Fahrtenbuch ist dafür nicht zwingend vorgeschrieben.

Verwandte Themen

Quellen

  1. § 7g EStG – Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen – gesetze-im-internet.de
  2. § 7 EStG – Absetzung für Abnutzung (Abs. 1, 2, 2a, 3) – gesetze-im-internet.de
  3. § 6 EStG – Bewertung (GWG Abs. 2, Sammelposten Abs. 2a, Dienstwagen Abs. 1 Nr. 4) – gesetze-im-internet.de
  4. PwC: BFH VIII R 24/19 – Nachweis der betrieblichen Pkw-Nutzung bei § 7g EStG

Hinweis:Verfasst von der Redaktion Team CAPSIVERA. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und gibt den Rechtsstand vom 28.10.2026 wieder. Er ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung im Einzelfall und begründet kein Mandatsverhältnis. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.

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