English version: Twitch Taxes in Germany 2026: Subs, Bits and Donations →
Allgemeine Information der Redaktion Team CAPSIVERA – keine Steuerberatung im Einzelfall, ohne Gewähr.
Einnahmen aus Twitch – Subs, Bits, Werbeanteile, Sponsorings und Donations – sind in aller Regel Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 EStG; Gewerbesteuer fällt aber erst auf den Gewerbeertrag über 24.500 € an (§ 11 GewStG). Auf die Auszahlungen von Twitch entsteht regelmäßig keine deutsche Umsatzsteuer, weil die Plattform nach § 3 Abs. 11a UStG gegenüber den Zuschauern als Leistende gilt und Ihre Leistung am Sitz der Plattform ausgeführt wird (§ 3a Abs. 2 UStG). Donations, die Zuschauer direkt über PayPal oder Streamlabs schicken, sind dagegen meist Umsätze im Inland und zählen zur Kleinunternehmergrenze von 25.000 €.
Welche Twitch-Einnahmen Sie versteuern müssen
Steuerlich zählt jeder Zufluss, der mit Ihrem Kanal zusammenhängt. Wie die Funktion auf der Plattform heißt, spielt keine Rolle. Zu den Betriebseinnahmen gehören insbesondere:
Subs und Gift-Subs: Ihr Anteil an den Abos, den Twitch auszahlt.
Bits und Cheers: die Vergütung für Bits, die Zuschauer im Chat einsetzen.
Werbeerlöse: Ihr Anteil an den Einnahmen aus Werbeunterbrechungen.
Donations und Trinkgeld: Zahlungen über PayPal, Streamlabs, StreamElements oder Ko-fi.
Sponsorings und Kooperationen: Geld oder Produkte von Marken für Einblendungen, Codes oder Produktplatzierungen.
Weitere Erlöse: Affiliate-Provisionen, Merch-Verkäufe und Preisgelder aus Turnieren.
Streaming mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, ist eine gewerbliche Tätigkeit. Eine freiberufliche Einordnung als künstlerische Tätigkeit nach § 18 EStG kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht. Sie melden deshalb ein Gewerbe an. Eine Umsatz- oder Gewinngrenze, unterhalb derer die Anmeldung entfällt, gibt es nicht. Den Ablauf mit Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beschreibt der Ratgeber Gewerbe anmelden als Creator.
Auch Sachleistungen sind Einnahmen. Schickt Ihnen eine Marke Hardware oder ein Spiel als Gegenleistung für eine Präsentation im Stream, ist der Wert der Ware eine Betriebseinnahme. Das Finanzministerium Schleswig-Holstein hat diese Sicht in einem Erlass zu Influencern bestätigt. Details zu Testprodukten stehen unter Gratisartikel und PR-Geschenke.
Steuerliche Werte 2026 für Streamer
Wert | 2026 | Grundlage |
|---|---|---|
Grundfreibetrag Einkommensteuer (Alleinstehende) | 12.348 € | |
Freibetrag Gewerbesteuer | 24.500 € Gewerbeertrag | § 11 Abs. 1 GewStG |
Steuermesszahl Gewerbesteuer | 3,5 % | § 11 Abs. 2 GewStG |
Anrechnung auf die Einkommensteuer | 4-facher Messbetrag, höchstens die gezahlte Gewerbesteuer | |
Hebesatz Köln | 475 % | Haushaltssatzung Stadt Köln 2025/2026 |
Kleinunternehmergrenzen | 25.000 € Vorjahr, 100.000 € laufendes Jahr | |
Regelsteuersatz Umsatzsteuer | 19 % | § 12 Abs. 1 UStG |
Zusammenfassende Meldung | bis 25. Tag nach Quartalsende, nur bei Empfängern in der EU, nicht für Kleinunternehmer | |
Geringwertige Wirtschaftsgüter | bis 800 € netto sofort absetzbar |
Der Gewerbeertrag wird vor Abzug des Freibetrags auf volle 100 € abgerundet. Für die meisten Streamer mit Gewinnen unter 24.500 € spielt die Gewerbesteuer deshalb keine Rolle. Ein Überblick über alle Steuerarten steht im Ratgeber Influencer-Steuern 2026.
Umsatzsteuer: Was für welche Einnahme gilt
Für die Umsatzsteuer ist entscheidend, wer Ihr Kunde ist. Bei Subs, Bits und Werbung ist das nicht der einzelne Zuschauer, sondern die Plattform. § 3 Abs. 11a UStG behandelt eine Plattform, die über ein Portal eingeschaltet ist und die Bedingungen festlegt, so, als hätte sie die Leistung selbst eingekauft und an den Zuschauer weitergegeben. Der EuGH hat diese Leistungskette am 28.02.2023 für OnlyFans bestätigt (C-695/20, Fenix International). Sie leisten also an ein Unternehmen, und der Leistungsort liegt an dessen Sitz.
Einnahme | Ihr Kunde | Leistungsort | Deutsche Umsatzsteuer | Zählt zur Kleinunternehmergrenze |
|---|---|---|---|---|
Subs, Bits, Werbeanteil über Twitch | Twitch-Gesellschaft | Sitz der Gesellschaft | nein, nicht steuerbar | nein |
Donations direkt über PayPal oder Streamlabs, Zuschauer in Deutschland | Zuschauer | Deutschland | 19 %, als Kleinunternehmer steuerfrei | ja |
Sponsoring einer deutschen Marke | Marke | Deutschland | 19 %, als Kleinunternehmer steuerfrei | ja |
Sponsoring einer Marke im EU-Ausland | Marke | Sitz der Marke, Reverse Charge | nein | nein |
Sponsoring einer Marke im Drittland | Marke | Sitz der Marke | nein | nein |
„Nicht steuerbar“ bedeutet: Der Umsatz fällt gar nicht unter das deutsche Umsatzsteuergesetz, weil sein Ort im Ausland liegt. Zum Gesamtumsatz der Kleinunternehmerregelung zählen nach § 19 Abs. 2 UStG nur steuerbare Umsätze. Twitch-Auszahlungen verbrauchen die 25.000-€-Grenze deshalb nicht.
Welche Twitch-Gesellschaft zahlt
Twitch gehört zum Amazon-Konzern. Welche Gesellschaft Ihr Vertragspartner ist, steht in Ihrer Monetarisierungsvereinbarung, im Steuerbereich des Creator-Dashboards und auf den Auszahlungsbelegen. Davon hängen die Meldepflichten ab:
Gesellschaft außerhalb der EU, etwa in den USA: Die Auszahlung ist nicht steuerbar. Regelbesteuerte Streamer tragen sie in der Umsatzsteuer-Voranmeldung als übrigen nicht steuerbaren Umsatz ein (Kennzahl 45). Eine Zusammenfassende Meldung entfällt.
Gesellschaft in einem anderen EU-Staat: Der Empfänger schuldet die Steuer in seinem Land (Reverse Charge). Regelbesteuerte Streamer melden den Umsatz in Kennzahl 21 und in der Zusammenfassenden Meldung. Eine Rechnung oder Gutschrift braucht dann beide Umsatzsteuer-Identifikationsnummern und den Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ (§ 14a Abs. 1 UStG).
Warum Direkt-Donations anders behandelt werden
PayPal, Streamlabs oder StreamElements wickeln nur die Zahlung ab. Wer lediglich Zahlungen abwickelt und an der Leistung nicht beteiligt ist, fällt nicht unter die Plattformregel (§ 3 Abs. 11a UStG, letzter Satz). Die Donation fließt also unmittelbar vom Zuschauer an Sie. Kommt sie von einer Privatperson in Deutschland, ist sie ein Inlandsumsatz. Als Kleinunternehmer bleibt sie steuerfrei, sie zählt aber zum Gesamtumsatz. Ob sich die Regelbesteuerung für Sie lohnt, zeigt der Vergleich Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung.
Donations: Was Finanzgerichte entschieden haben
Viele Streamer halten Donations für Geschenke. Die Rechtsprechung sieht das überwiegend anders.
FG Düsseldorf, Urteil vom 04.03.2022, 1 K 2812/19 U: Ein Streamer erhielt neben Abos Geld über ein Donation-Panel. Das Gericht wertete die Zahlungen als Entgelt für eine Unterhaltungsleistung, die mit 19 % umsatzsteuerpflichtig ist. Dass die Zuschauer freiwillig und in beliebiger Höhe zahlten, änderte daran nichts. Den Vergleich mit dem Straßenmusiker aus dem EuGH-Urteil Tolsma (C-16/93) lehnte es ab, weil die Zuschauer den Kanal gezielt aufsuchen.
FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 25.04.2025, 2 K 2085/21: Bei einem Blog, der Spenden und Patenschaften ohne konkrete Gegenleistung erhielt, verneinte das Gericht einen steuerbaren Umsatz.
FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 12.06.2025, 14 K 14067/24: Für die Einkommensteuer behandelte das Gericht freiwillige Zahlungen an einen Blogger als Betriebseinnahmen.
Nach Fachberichten sind zu beiden Fragen Verfahren beim Bundesfinanzhof anhängig (V R 10/25 zur Umsatzsteuer, VIII R 18/25 zur Einkommensteuer). Höchstrichterlich geklärt ist die Behandlung freiwilliger Zahlungen damit noch nicht. Für einen Stream mit Donation-Button, Alerts und vorgelesenen Nachrichten spricht der Sachverhalt des Düsseldorfer Falls aber deutlich für einen Leistungsaustausch.
Die Steuerfreiheit von Trinkgeldern nach § 3 Nr. 51 EStG hilft nicht. Sie gilt nur für Arbeitnehmer, die Trinkgeld von Dritten erhalten. Mehr dazu im Ratgeber Donations und Trinkgeld für Creator.
US-Steuerinterview und Quellensteuer
Twitch verlangt im Creator-Dashboard ein Steuerinterview. Für Streamer mit Wohnsitz in Deutschland ist das in der Regel das Formular W-8BEN. Damit bestätigen Sie, dass Sie nicht in den USA steuerpflichtig sind, und beanspruchen die Vorteile des Doppelbesteuerungsabkommens.
Hintergrund: Ein Teil der Erlöse aus Subs und Bits wird in den USA als Lizenzgebühr behandelt, soweit er auf Zuschauer in den USA entfällt. Ohne gültiges Formular kann die Plattform darauf US-Quellensteuer einbehalten, regelmäßig 30 %. Für Lizenzgebühren an Empfänger in Deutschland sieht das Abkommen 0 % vor. Das W-8BEN gilt bis zum Ende des dritten Kalenderjahres nach der Unterschrift und muss dann erneuert werden.
Wurde trotzdem US-Steuer einbehalten, die nach dem Abkommen nicht anfallen durfte, rechnet das deutsche Finanzamt sie in der Regel nicht an. Sie müssten sie in den USA zurückfordern. Ein korrekt ausgefülltes Formular ist deshalb der einfachere Weg. Die Einzelheiten am Beispiel von YouTube erklärt der Ratgeber YouTube und US-Quellensteuer.
Rechenbeispiel: Streamerin mit Twitch, Donations und Sponsoring
Beispiel: Eine ledige Streamerin aus Köln hatte 2025 einen Gesamtumsatz von 18.000 €. Im Jahr 2026 erzielt sie folgende Einnahmen. Ihr Vertragspartner bei Twitch ist laut Auszahlungsbeleg eine Gesellschaft außerhalb der EU. Die Donations stammen von Zuschauern in Deutschland.
Einnahme 2026 | Betrag | Umsatzsteuerliche Einordnung | Gesamtumsatz nach § 19 Abs. 2 UStG |
|---|---|---|---|
Twitch-Auszahlungen (Subs, Bits, Werbung) | 30.000,00 € | nicht steuerbar | 0,00 € |
Donations über Streamlabs und PayPal | 9.000,00 € | steuerbar, als Kleinunternehmerin steuerfrei | 9.000,00 € |
Sponsoring einer deutschen Marke | 8.000,00 € | steuerbar, als Kleinunternehmerin steuerfrei | 8.000,00 € |
Summe | 47.000,00 € | 17.000,00 € |
Die Streamerin bleibt 2026 Kleinunternehmerin, weil der Vorjahresumsatz unter 25.000 € liegt und der laufende Umsatz 100.000 € nicht überschreitet. Mit 17.000 € bleibt sie auch 2027 unter der Vorjahresgrenze. Würde sie die 47.000 € insgesamt als Umsatz zählen, hielte sie sich für 2027 fälschlich für regelbesteuert. Bei Donations von Privatpersonen müsste sie dann 19/119 aus dem Zahlungsbetrag abführen, bei 9.000 € also 1.436,97 €.
Ihre Ausgaben für Hardware, Software, Internet und Arbeitszimmer betragen 12.000 €. Vereinfachend entspricht der Gewerbeertrag dem Gewinn.
Gewerbesteuer 2026 | Betrag |
|---|---|
Gewinn (47.000,00 € − 12.000,00 €) | 35.000,00 € |
Freibetrag nach § 11 Abs. 1 GewStG | −24.500,00 € |
Verbleibender Gewerbeertrag | 10.500,00 € |
Steuermessbetrag (3,5 %) | 367,50 € |
Gewerbesteuer bei Hebesatz 475 % | 1.745,63 € |
Ermäßigung der Einkommensteuer (4 × 367,50 €) | −1.470,00 € |
Verbleibende Mehrbelastung | 275,63 € |
Die Ermäßigung nach § 35 EStG setzt voraus, dass genug Einkommensteuer anfällt, von der sie abgezogen werden kann. Bei 35.000 € Gewinn ist das der Fall. Die Gewerbesteuer selbst ist keine Betriebsausgabe.
Steuererklärung mit Twitch-Einnahmen: Formulare und Fristen
Stream-Einnahmen versteuern Sie über die jährlichen Steuererklärungen Ihres Gewerbebetriebs. Subs, Bits, Werbeanteile, Donations und Sponsorings tragen Sie dabei nicht je Plattform in ein eigenes Formular ein. Sie gehen gemeinsam als Betriebseinnahmen in Ihre Gewinnermittlung ein. Welche Erklärungen Sie abgeben, hängt von Gewinn und Umsatz ab:
Erklärung | Wann Sie sie abgeben müssen | Grundlage |
|---|---|---|
Einkommensteuererklärung mit Anlage G | Gesamtbetrag der Einkünfte über dem Grundfreibetrag (2026: 12.348 €); mit Angestelltenjob schon bei Nebeneinkünften über 410 € | |
Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) | zusammen mit der Einkommensteuererklärung, elektronisch über ELSTER | |
Gewerbesteuererklärung | Gewerbeertrag über 24.500 € | |
Umsatzsteuererklärung | bei Regelbesteuerung; als Kleinunternehmer nur, wenn das Finanzamt Sie dazu auffordert |
Fordert das Finanzamt Sie zur Abgabe auf, müssen Sie unabhängig von diesen Grenzen abgeben (§ 149 Abs. 1 Satz 2 AO). Die Erklärungen für 2025 sind bis zum 31.07.2026 fällig, die für 2026 bis zum 31.07.2027. Erstellt ein Steuerberater die Erklärungen, verlängert sich die Frist bis Ende Februar des zweiten Folgejahres, für 2025 also bis Ende Februar 2027 (§ 149 Abs. 2 und 3 AO).
In der EÜR zählt der Zufluss. Erfassen Sie Twitch-Auszahlungen mit dem Betrag laut Auszahlungsbeleg. Donations über PayPal oder Streamlabs tragen Sie mit dem vollen Zahlungsbetrag ein und die Gebühren als Betriebsausgabe. Auch Auszahlungen, die umsatzsteuerlich nicht steuerbar sind, gehören in die EÜR, denn für die Einkommensteuer sind sie Betriebseinnahmen. Was Sie dem gegenüberstellen dürfen, steht im Ratgeber Betriebsausgaben für Influencer. Nach der ersten Veranlagung setzt das Finanzamt in der Regel Vorauszahlungen fest, siehe Steuervorauszahlungen und Rücklagen.
Sonderfälle
Charity-Streams: Spenden Zuschauer direkt an eine gemeinnützige Organisation, etwa über deren Spendentool, berührt das Geld Ihr Unternehmen nicht. Läuft es über Ihr Konto, ist es zunächst Ihre Betriebseinnahme, und die Weiterleitung muss gesondert beurteilt werden. Klären Sie den Zahlungsweg vor dem Stream.
Multistreaming: Streamen Sie parallel auf YouTube oder TikTok, gilt für jede Plattform deren eigene Gesellschaft. Für YouTube steht das im Ratgeber Google AdSense und YouTube-Werbung; für TikTok gilt Entsprechendes.
Direkt-Donations aus dem Ausland: Ob für Zahlungen privater Zuschauer aus anderen EU-Staaten deren Umsatzsteuer gilt, hängt davon ab, ob der Stream als elektronische Dienstleistung eingeordnet wird (§ 3a Abs. 5 UStG, Schwelle 10.000 € im Jahr). Das ist für interaktive Livestreams nicht abschließend geklärt und sollte bei höheren Beträgen geprüft werden.
Sponsoring gegen Ware: Erhalten Sie statt Geld Produkte, liegt ein tauschähnlicher Umsatz vor. Bemessungsgrundlage ist der Wert der Produkte.
Agentur oder Software aus dem EU-Ausland: Für Leistungen ausländischer Unternehmen schulden Sie die deutsche Umsatzsteuer selbst (§ 13b UStG), auch als Kleinunternehmer. Kleinunternehmer können sie nicht als Vorsteuer abziehen und müssen für diese Zeiträume Voranmeldungen abgeben.
Turniere und E-Sport: Preisgelder und Teamverträge haben eigene Regeln, siehe Gamer und E-Sport.
Typische Fehler in der Praxis
Donations als Geschenk behandeln: Sie sind Betriebseinnahmen und nach der Rechtsprechung des FG Düsseldorf in der Regel umsatzsteuerpflichtig.
19 % auf Twitch-Auszahlungen abführen: Die Leistung an die Plattform ist in Deutschland nicht steuerbar. Wer sie wie einen Inlandsumsatz versteuert, zahlt ohne Rechtsgrund.
Twitch-Auszahlungen zur Kleinunternehmergrenze zählen: Das führt oft zu einer unnötigen Regelbesteuerung.
Direkt-Donations bei der Grenze vergessen: Sie sind Inlandsumsätze und können die 25.000 € allein überschreiten.
Gebühren falsch erfassen: Bei PayPal oder Streamlabs ist der volle Zahlungsbetrag die Einnahme. Die Gebühren setzen Sie als Betriebsausgabe an.
Vertragspartner nicht prüfen: Ob eine Zusammenfassende Meldung nötig ist, hängt vom Sitz der zahlenden Gesellschaft ab. Prüfen Sie ihn nach jeder Änderung der Bedingungen.
Steuerinterview liegen lassen: Ohne gültiges W-8BEN droht US-Quellensteuer, die in Deutschland meist nicht anrechenbar ist.
Gewerbe nicht anmelden: Die Pflicht beginnt mit der ersten Auszahlung, nicht erst ab einer bestimmten Höhe.
CAPSIVERA betreut Streamer und Creator mit Einnahmen aus mehreren Plattformen und ordnet Donations, Sponsorings und Auszahlungen im Einzelfall ein.
Donations im Video
Abschrift lesen
Im Stream prasseln Donations rein. Trinkgeld ist steuerfrei, denkst du. Für dich leider nicht.
§ 3 Nr. 51 EStG stellt Trinkgelder steuerfrei, aber ausdrücklich nur für Arbeitnehmer. Du bist selbstständig. Bei dir ist jede Donation eine Betriebseinnahme und erhöht deinen Gewinn.
Umsatzsteuerlich kommt es darauf an: Bekommt der Zuschauer eine Gegenleistung, also Einblendung, Sonderwunsch oder Nennung, liegt ein Leistungsaustausch vor und Umsatzsteuer fällt an. Reine Unterstützung ohne Gegenleistung nicht.
Wir trennen deine Stream-Einnahmen sauber. Mehr Steuer-Klartext für Creator auf capsivera.de.
Aus der Praxis
Häufige Fragen
Muss ich Twitch-Einnahmen versteuern?
Ja. Subs, Bits, Werbeanteile, Sponsorings und Donations sind Betriebseinnahmen und in aller Regel Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 EStG. Einkommensteuer fällt an, sobald Ihr zu versteuerndes Einkommen 2026 über dem Grundfreibetrag von 12.348 € liegt, Gewerbesteuer erst auf einen Gewerbeertrag über 24.500 €.
Sind Twitch-Donations steuerfrei, weil es Spenden sind?
In der Regel nicht. Das FG Düsseldorf hat mit Urteil vom 04.03.2022 (1 K 2812/19 U) Donations an einen Streamer als Entgelt für eine Unterhaltungsleistung gewertet, die mit 19 % umsatzsteuerpflichtig ist. Für die Einkommensteuer sind sie Betriebseinnahmen; die Steuerfreiheit für Trinkgeld nach § 3 Nr. 51 EStG gilt nur für Arbeitnehmer.
Fällt auf Twitch-Auszahlungen deutsche Umsatzsteuer an?
Nein, in der Regel nicht. Nach § 3 Abs. 11a UStG ist die Plattform Ihr Kunde, und der Leistungsort liegt an ihrem Sitz im Ausland (§ 3a Abs. 2 UStG). Die Auszahlung ist in Deutschland nicht steuerbar und zählt auch nicht zur Kleinunternehmergrenze.
Zählen Donations zur Kleinunternehmergrenze von 25.000 €?
Direkte Donations über PayPal, Streamlabs oder StreamElements von Zuschauern in Deutschland zählen mit, weil sie Umsätze im Inland sind. Auszahlungen von Twitch selbst zählen dagegen nicht. Die Grenzen liegen 2026 bei 25.000 € im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr (§ 19 UStG).
Brauche ich als Streamer eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer?
Zwingend ist sie, wenn Sie als regelbesteuerter Unternehmer Leistungen an eine Gesellschaft in einem anderen EU-Staat erbringen, weil Rechnung und Zusammenfassende Meldung beide Nummern brauchen. Zahlt eine Gesellschaft außerhalb der EU, verlangt das deutsche Recht keine. Sinnvoll ist sie trotzdem, wenn Sie Werbung, Software oder Agenturleistungen aus dem EU-Ausland einkaufen.
Was passiert, wenn ich das Steuerformular bei Twitch nicht ausfülle?
Dann kann Twitch auf den US-Anteil Ihrer Einnahmen US-Quellensteuer einbehalten, regelmäßig 30 %. Mit dem Formular W-8BEN und dem Doppelbesteuerungsabkommen sinkt der Satz für Lizenzgebühren auf 0 %. Zu Unrecht einbehaltene US-Steuer rechnet das deutsche Finanzamt in der Regel nicht an.
Muss man Twitch-Donations versteuern und in der Steuererklärung angeben?
Ja. Donations sind Betriebseinnahmen und gehören mit dem vollen Zahlungsbetrag in die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, Gebühren von PayPal oder Streamlabs setzen Sie als Betriebsausgabe an. Einkommensteuer fällt an, soweit Ihr zu versteuerndes Einkommen 2026 über 12.348 € liegt. Umsatzsteuerlich wertete das FG Düsseldorf Donations an einen Streamer als steuerpflichtiges Entgelt (Urteil vom 04.03.2022, 1 K 2812/19 U); als Kleinunternehmer zahlen Sie darauf keine Umsatzsteuer, die Beträge zählen aber zur 25.000-€-Grenze.
Was bedeutet das Royalty-Steuerinterview bei Twitch?
Twitch lässt zwei US-Steuerinterviews ausfüllen: eines für Lizenzgebühren (Royalty) und eines für Dienstleistungen (Service). Ein Teil der Erlöse aus Subs und Bits gilt in den USA als Lizenzgebühr für die Nutzung Ihrer Inhalte; dafür beanspruchen Sie im W-8BEN mit Wohnsitz in Deutschland den Abkommenssatz von 0 %. Vergütungen für Dienstleistungen ordnen die USA dem Ort zu, an dem Sie arbeiten, also in der Regel Deutschland. Füllen Sie beide Interviews aus, sonst kann Twitch US-Quellensteuer einbehalten.
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Weiterlesen →Quellen
- § 3 UStG – Leistungskette bei Plattformen, Abs. 11a (gesetze-im-internet.de)
- § 3a UStG – Ort der sonstigen Leistung (gesetze-im-internet.de)
- § 19 UStG – Kleinunternehmer, Gesamtumsatz (gesetze-im-internet.de)
- § 11 GewStG – Freibetrag und Steuermesszahl (gesetze-im-internet.de)
- NWB Experten-Blog – FG Düsseldorf, Urteil vom 04.03.2022, 1 K 2812/19 U (Donations an Streamer)
- ETL – Donations an Influencer 2026: FG-Urteile und anhängige BFH-Verfahren
- Stadt Köln – Haushaltssatzung 2025/2026, Hebesatz Gewerbesteuer 475 %
- Haufe – Ertragsteuerliche Behandlung von Influencern (Erlass FinMin Schleswig-Holstein)
- § 149 AO – Abgabe der Steuererklärungen
- Finanzamt Baden-Württemberg – Abgabefristen 2023 bis 2027
Hinweis:Verfasst von der Redaktion Team CAPSIVERA. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und gibt den Rechtsstand vom 28.10.2026 wieder. Er ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung im Einzelfall und begründet kein Mandatsverhältnis. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.So arbeitet unsere Redaktion