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Differenzbesteuerung § 25a UStG: Umsatzsteuer nur auf die Marge

Wer Gebrauchtwagen oder andere Gebrauchtwaren ohne Vorsteuer ankauft, zahlt beim Weiterverkauf Umsatzsteuer nur auf die Marge. Voraussetzungen, Rechnung, Gesamtdifferenz bis 750 € und Rechenbeispiele 2026.

Stand: 28.10.20266 Min. LesezeitRedaktion Team CAPSIVERA

Allgemeine Information der Redaktion Team CAPSIVERA – keine Steuerberatung im Einzelfall, ohne Gewähr.

Bei der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG zahlt ein Wiederverkäufer Umsatzsteuer nicht auf den vollen Verkaufspreis, sondern nur auf die Marge zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Aus dieser Marge werden 19 % Umsatzsteuer herausgerechnet, also 19/119 des Differenzbetrags. Voraussetzung ist, dass beim Ankauf keine Umsatzsteuer geschuldet wurde, etwa beim Kauf eines Gebrauchtwagens von privat.

Wozu die Differenzbesteuerung dient

Kauft ein Händler einen Gebrauchtgegenstand von einer Privatperson, enthält der Kaufpreis keine abziehbare Vorsteuer. Müsste er beim Weiterverkauf auf den vollen Preis 19 % Umsatzsteuer abführen, würde derselbe Gegenstand ein zweites Mal voll besteuert. § 25a UStG verhindert das: Besteuert wird nur der Mehrwert, den der Händler schafft.

Im Handwerk betrifft das vor allem das Kfz-Handwerk. Autohäuser und Werkstätten mit Gebrauchtwagenhandel kaufen Fahrzeuge von privat an oder nehmen sie beim Neuwagenverkauf in Zahlung. Ähnliche Fälle gibt es bei Zweiradbetrieben, im Landmaschinenhandel oder beim Handel mit gebrauchten Geräten. Eine Kurzdefinition steht im Glossar unter Differenzbesteuerung.

Voraussetzungen und Werte 2026

Merkmal

Regel 2026

Rechtsgrundlage

Wer darf sie anwenden

Wiederverkäufer: gewerbsmäßiger Handel mit beweglichen körperlichen Gegenständen oder Versteigerer

§ 25a Abs. 1 Nr. 1 UStG

Ankauf

im Gemeinschaftsgebiet; für die Lieferung an den Händler wurde keine Umsatzsteuer geschuldet oder sie war selbst differenzbesteuert

§ 25a Abs. 1 Nr. 2 UStG

Ausgenommen

Edelsteine und Edelmetalle

§ 25a Abs. 1 Nr. 3 UStG

Bemessungsgrundlage

Verkaufspreis minus Einkaufspreis, ohne die Umsatzsteuer

§ 25a Abs. 3 UStG

Steuersatz

immer allgemeiner Satz, 19 %

§ 25a Abs. 5 UStG

Gesamtdifferenz

nur für Gegenstände mit Einkaufspreis bis 750 €

§ 25a Abs. 4 UStG

Rechnung

kein gesonderter Steuerausweis, Hinweis „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“

§ 14a Abs. 6 UStG

Verzicht

für jede einzelne Lieferung möglich, außer bei Gesamtdifferenz

§ 25a Abs. 8 UStG

Die Grenze für die Gesamtdifferenz liegt seit dem 1.1.2025 bei 750 €. Das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz hat sie von 500 € angehoben. Für 2026 gilt keine Änderung.

Wann beim Ankauf keine Umsatzsteuer geschuldet wurde

Typische Fälle sind der Ankauf von Privatpersonen, von Kleinunternehmern, deren Umsätze steuerfrei sind, und von anderen Händlern, die selbst nach § 25a UStG abgerechnet haben. Hat der Verkäufer dagegen Umsatzsteuer ausgewiesen, etwa ein Unternehmen beim Verkauf seines Firmenwagens mit 19 %, ist die Differenzbesteuerung ausgeschlossen. Dann zieht der Händler die Vorsteuer und versteuert den vollen Verkaufspreis regulär.

Rechnung und Aufzeichnungen

Für die Rechnung gelten die Pflichtangaben nach § 14 UStG mit zwei Abweichungen:

  • Kein Steuerausweis. Die Umsatzsteuer darf nicht gesondert ausgewiesen werden (§ 14a Abs. 6 UStG). Auch ein Geschäftskunde kann deshalb keine Vorsteuer abziehen.

  • Pflichthinweis. Die Rechnung muss den Hinweis „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ enthalten. Für Kunstgegenstände und Sammlungsstücke gibt es eigene Formulierungen.

Weist ein Händler trotzdem Umsatzsteuer aus, schuldet er den ausgewiesenen Betrag zusätzlich nach § 14c UStG. Die übrigen Angaben erklärt der Ratgeber Rechnung: Pflichtangaben nach § 14 UStG.

Nach § 25a Abs. 6 UStG müssen die Aufzeichnungen für jeden Gegenstand Verkaufspreis, Einkaufspreis und Bemessungsgrundlage zeigen. Wer neben der Differenzbesteuerung auch regulär besteuerte Umsätze hat, muss beide getrennt aufzeichnen. Im Kfz-Handel geschieht das meist über ein Fahrzeugbuch mit Fahrgestellnummer, Ankaufsbeleg und Verkaufsrechnung.

Ablauf im Betrieb: vom Ankauf bis zur Voranmeldung

Damit die Differenzbesteuerung einer Prüfung standhält, sollte jeder Gebrauchtankauf denselben Weg gehen:

  1. Ankauf prüfen. Vor dem Kauf klären, wer verkauft: Privatperson, Kleinunternehmer, Händler mit § 25a-Rechnung oder Unternehmer mit Steuerausweis. Davon hängt ab, ob § 25a UStG überhaupt in Frage kommt.

  2. Ankauf belegen. Kaufvertrag mit Name und Anschrift des Verkäufers, Datum, Fahrzeugdaten und Preis ablegen. Bei Händlern die Eingangsrechnung mit dem Hinweis „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ aufbewahren.

  3. Gegenstand einzeln erfassen. Einkaufspreis im Fahrzeugbuch oder in der Warenwirtschaft je Gegenstand festhalten. Reparatur- und Aufbereitungskosten getrennt buchen.

  4. Verkauf richtig abrechnen. Rechnung ohne Steuerausweis, mit Pflichthinweis. Bei einem Geschäftskunden, der Vorsteuer ziehen will, vorher entscheiden, ob auf die Differenzbesteuerung verzichtet wird.

  5. Marge in der Voranmeldung melden. Die Umsatzsteuer aus der Marge entsteht wie jede andere Umsatzsteuer und wird in der Umsatzsteuer-Voranmeldung erklärt. Bei Ist-Versteuerung kommt es auf den Zahlungseingang an, Details im Ratgeber Ist-Versteuerung.

Die Buchhaltung braucht dafür getrennte Erlöskonten für differenzbesteuerte und regulär besteuerte Verkäufe. So lässt sich die Marge je Fahrzeug jederzeit nachvollziehen.

Rechenbeispiele

Beispiel: Ein Autohaus hat im Juli 2026 drei Vorgänge. Alle Ankäufe stammen von Privatpersonen.

Vorgang

Einkaufspreis

Verkaufspreis

Marge (brutto)

Umsatzsteuer (19/119)

Pkw A, Einzeldifferenz

10.000,00 €

11.900,00 €

1.900,00 €

303,36 €

Pkw B, Verkauf unter Einkaufspreis

8.000,00 €

7.500,00 €

−500,00 €

0,00 €

Satz Gebrauchtreifen, Gesamtdifferenz Juli (Einkaufspreise je bis 750 €)

6.000,00 €

9.570,00 €

3.570,00 €

570,00 €

Summe Umsatzsteuer

873,36 €

Bei Pkw A beträgt die Netto-Marge 1.596,64 €. Wäre der Wagen regulär besteuert, fielen auf 11.900 € brutto 1.900 € Umsatzsteuer an. Die Differenzbesteuerung spart hier 1.596,64 € Steuer.

Bei Pkw B ist die Marge negativ. Die Bemessungsgrundlage beträgt dann 0 €. Der Verlust darf bei der Einzeldifferenz nicht mit dem Gewinn aus Pkw A verrechnet werden. Nur innerhalb der Gesamtdifferenz gleichen sich Gewinne und Verluste der einbezogenen Gegenstände aus.

Kosten für Aufbereitung oder Reparatur nach dem Ankauf erhöhen den Einkaufspreis nach Verwaltungsauffassung nicht. Die Vorsteuer aus diesen Werkstatt- und Materialrechnungen kann der Händler aber regulär abziehen.

Sonderfälle

Inzahlungnahme beim Neuwagenkauf

Nimmt ein Autohaus den Gebrauchten eines Privatkunden in Zahlung, ist der Ankauf ebenfalls ohne Umsatzsteuer erfolgt. Als Einkaufspreis gilt grundsätzlich der tatsächliche Wert des Altfahrzeugs. Wird ein überhöhter Inzahlungnahmepreis gezahlt, um den Neuwagen günstiger erscheinen zu lassen, liegt nach Verwaltungsauffassung ein verdeckter Preisnachlass vor. Das verändert sowohl die Bemessungsgrundlage des Neuwagens als auch den Einkaufspreis des Gebrauchten.

Verkauf ins Ausland

Steuerbefreiungen bleiben auch bei der Differenzbesteuerung erhalten. Eine Ausfuhr in ein Drittland kann deshalb steuerfrei sein. Die Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen ist dagegen ausgeschlossen (§ 25a Abs. 5 und 7 UStG). Ein Verkauf an einen Händler in einem anderen EU-Staat bleibt damit in Deutschland differenzbesteuert. Neue Fahrzeuge sind von der Differenzbesteuerung im innergemeinschaftlichen Handel ausgenommen.

Ankauf aus dem EU-Ausland

Kauft ein Händler einen Gebrauchtwagen steuerfrei als innergemeinschaftliche Lieferung von einem Unternehmer aus einem anderen EU-Staat, ist § 25a UStG nicht anwendbar. Hat der ausländische Händler dagegen selbst differenzbesteuert, ist der Erwerb in Deutschland nicht steuerbar, und der Weiterverkauf kann wieder unter § 25a UStG fallen.

Verkauf eigener Betriebsfahrzeuge

Ein Handwerksbetrieb, der seinen gebrauchten Transporter oder eine alte Maschine verkauft, ist insoweit kein Wiederverkäufer. Er handelt nicht gewerbsmäßig mit diesen Gegenständen, sondern hat sie im eigenen Betrieb genutzt. § 25a UStG greift dann nicht. Der Verkauf ist regulär mit 19 % auf den vollen Preis zu versteuern, auch wenn das Fahrzeug seinerzeit von privat und ohne Vorsteuer gekauft wurde. Das gilt auch für den Kfz-Betrieb, wenn er ein eigenes Werkstattfahrzeug verkauft, das nicht zum Handelsbestand gehörte.

Verzicht auf die Differenzbesteuerung

Nach § 25a Abs. 8 UStG kann der Händler für jede einzelne Lieferung auf die Differenzbesteuerung verzichten. Das kann sinnvoll sein, wenn ein Geschäftskunde Vorsteuer ziehen möchte. Dann wird der volle Verkaufspreis mit 19 % besteuert, ohne dass der Händler aus dem Ankauf Vorsteuer hätte. Ob sich das rechnet, hängt vom Preis ab, den der Kunde zu zahlen bereit ist.

Typische Fehler in der Praxis

  • Ankauf mit Steuerausweis differenzbesteuert verkaufen. Stammt das Fahrzeug von einem Unternehmer mit ausgewiesener Umsatzsteuer, ist § 25a UStG ausgeschlossen. Die Folge sind Nachzahlungen auf die volle Marge.

  • Umsatzsteuer auf der Rechnung ausweisen. Ein offener Steuerausweis bei Differenzbesteuerung führt zu einer zusätzlichen Steuerschuld nach § 14c UStG.

  • Pflichthinweis vergessen. Ohne „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ ist die Rechnung unvollständig und die Anwendung schwer nachzuweisen.

  • Verluste verrechnen. Negative Margen einzelner Fahrzeuge mindern die Steuer anderer Fahrzeuge nicht. Nur die Gesamtdifferenz bis 750 € Einkaufspreis erlaubt einen Ausgleich.

  • Reparaturkosten in die Marge rechnen. Aufbereitung und Reparatur senken die Bemessungsgrundlage nicht. Ihre Vorsteuer wird separat abgezogen.

  • Unvollständiges Fahrzeugbuch. Fehlen Ankaufsbelege oder Einkaufspreise, kann das Finanzamt die Differenzbesteuerung in einer Betriebsprüfung versagen.

Interaktiver Rechner

Differenzbesteuerung berechnen

Sehen Sie, wie viel Umsatzsteuer bei der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG anfällt – nur auf Ihre Marge statt auf den vollen Verkaufspreis. Richtwert, keine individuelle Beratung.

Wie wir rechnen
  1. Die Umsatzsteuer wird nur auf die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis (Ihre Marge) berechnet, nicht auf den vollen Verkaufspreis.
  2. Aus der Brutto-Marge wird die enthaltene Umsatzsteuer mit 19/119 herausgerechnet – es gilt immer der Regelsteuersatz von 19 %.
  3. Voraussetzung: Sie sind Wiederverkäufer und haben den Gegenstand ohne Vorsteuerabzug erworben (z. B. von Privatpersonen oder Kleinunternehmern).
  4. In Ihrer Rechnung dürfen Sie keine Umsatzsteuer offen ausweisen; Ihr Käufer hat daraus keinen Vorsteuerabzug.
  5. Bei negativer oder Null-Marge fällt keine Umsatzsteuer an.

Umsatzsteuer bei Differenzbesteuerung

–

Ersparnis gegenüber Regelbesteuerung
–
Marge (Verkauf − Einkauf)
–
Darin enthaltene Umsatzsteuer
–
Marge netto (Ihr Rohertrag)
–
Zum Vergleich: USt bei Regelbesteuerung
–

Die Differenzbesteuerung gilt nur, wenn Sie Wiederverkäufer sind und den Gegenstand ohne Vorsteuerabzug eingekauft haben (z. B. von Privat). Sie dürfen die Umsatzsteuer nicht offen ausweisen – Ihr Käufer hat daraus keinen Vorsteuerabzug. Vereinfachte Berechnung nach § 25a UStG (Einzeldifferenz); Gesamtdifferenz und Sonderfälle sind nicht berücksichtigt.

Vereinfachte Orientierung, keine individuelle Beratung. Ihre Eingaben werden nicht gespeichert.

Differenzbesteuerung im Video

DifferenzbesteuerungWie die Differenzbesteuerung beim Handel mit Gebrauchtfahrzeugen funktioniert.

Häufige Fragen

Wie berechne ich die Umsatzsteuer bei der Differenzbesteuerung?

Ziehen Sie vom Verkaufspreis den Einkaufspreis ab. Aus dieser Brutto-Marge rechnen Sie die Umsatzsteuer mit 19/119 heraus. Beispiel: Einkauf 10.000 €, Verkauf 11.900 €, Marge 1.900 €, darin enthaltene Umsatzsteuer 303,36 €.

Darf ich auf einer differenzbesteuerten Rechnung Mehrwertsteuer ausweisen?

Nein. Nach § 14a Abs. 6 UStG darf die Umsatzsteuer nicht gesondert ausgewiesen werden, und die Rechnung muss den Hinweis „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ enthalten. Ein Geschäftskunde kann daraus keine Vorsteuer ziehen. Ein Ausweis trotzdem führt zu einer Steuerschuld nach § 14c UStG.

Gilt die Differenzbesteuerung, wenn ich ein Auto von einer Firma kaufe?

Nur wenn für diesen Verkauf keine Umsatzsteuer geschuldet wurde, etwa bei einem Kleinunternehmer oder einem Händler, der selbst differenzbesteuert abrechnet. Weist die Firma Umsatzsteuer aus, ziehen Sie die Vorsteuer ab und versteuern den Weiterverkauf regulär mit 19 % auf den vollen Preis.

Was passiert, wenn ich einen Gebrauchtwagen mit Verlust verkaufe?

Die Bemessungsgrundlage beträgt dann 0 €, es fällt keine Umsatzsteuer an. Der Verlust darf aber nicht mit Gewinnen aus anderen Fahrzeugen verrechnet werden. Eine Verrechnung ist nur bei der Gesamtdifferenz für Gegenstände bis 750 € Einkaufspreis möglich.

Was ist die Gesamtdifferenz und bis zu welchem Betrag gilt sie?

Bei der Gesamtdifferenz wird nicht jeder Gegenstand einzeln abgerechnet, sondern die Summe aller Verkaufspreise minus der Summe aller Einkaufspreise eines Zeitraums. Sie ist seit 2025 nur für Gegenstände mit einem Einkaufspreis bis 750 € zulässig (§ 25a Abs. 4 UStG). Für Fahrzeuge kommt sie deshalb meist nicht in Betracht.

Verwandte Themen

Quellen

  1. § 25a UStG – Differenzbesteuerung – gesetze-im-internet.de
  2. § 14a UStG – Zusätzliche Pflichten bei der Ausstellung von Rechnungen – gesetze-im-internet.de
  3. § 14c UStG – Unrichtiger oder unberechtigter Steuerausweis – gesetze-im-internet.de
  4. § 25a UStG – Änderungshistorie (750 € ab 1.1.2025, BEG IV) – buzer.de

Hinweis:Verfasst von der Redaktion Team CAPSIVERA. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und gibt den Rechtsstand vom 28.10.2026 wieder. Er ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung im Einzelfall und begründet kein Mandatsverhältnis. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.

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