Ratgeber · Kalkulation
Stundenverrechnungssatz im Handwerk richtig berechnen
„Stundensatz? Bauchgefühl plus zehn Prozent.“ Genau so kalkulieren viele Betriebe – und arbeiten am Ende unter Wert. Wir zeigen, aus welchen Bausteinen ein tragfähiger Stundenverrechnungssatz besteht und wie Sie ihn Schritt für Schritt berechnen.
Warum „Bauchgefühl“ gefährlich ist
Wer seinen Stundenverrechnungssatz schätzt, unterschätzt fast immer die Gemeinkosten und die unproduktiven Zeiten. Das Ergebnis: Aufträge, die sich rechnen sollen, fahren in Wirklichkeit Verluste ein – und der Wettbewerb, der ähnlich kalkuliert, zieht mit nach unten.
Aus welchen Bausteinen besteht der Stundensatz?
Ein tragfähiger Stundenverrechnungssatz deckt mindestens diese Blöcke ab:
- Lohnkosten des produktiven Mitarbeiters inklusive aller Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteile, Urlaub, Lohnfortzahlung, ggf. SOKA-Bau).
- Gemeinkosten des Betriebs: Miete, Fahrzeuge, Werkzeug, Versicherungen, Verwaltung, Buchhaltung, Marketing.
- Wagnis und Gewinn – ein Zuschlag für unternehmerisches Risiko und die nötige Marge.
Der Schlüssel: produktive Stunden
Ein Mitarbeiter wird bezahlt für rund 2.000 Jahresstunden – verrechenbar ist davon aber nur ein Teil. Abzuziehen sind u. a.:
- Urlaub und Feiertage
- Krankheit
- unproduktive Zeiten (Rüstzeit, Fahrten, Lager, Schulung, Gewährleistung)
Übrig bleiben die produktiven Stunden – und nur auf diese verteilen sich alle Kosten. Werden zu viele Stunden als produktiv angesetzt, ist der Satz von Anfang an zu niedrig.
So wird gerechnet
Vereinfacht gilt:
(Lohnkosten + anteilige Gemeinkosten) ÷ produktive Stunden + Gewinnzuschlag = Stundenverrechnungssatz
In der Praxis ermittelt man zuerst die Vollkosten pro produktiver Stunde und schlägt dann Wagnis und Gewinn auf. Wichtig ist, alle Gemeinkosten sauber zu erfassen – sonst entsteht eine Deckungslücke.
Beispiel (vereinfacht)
Ein Geselle kostet inkl. Lohnnebenkosten 55.000 € im Jahr. Nach Abzug von Urlaub, Krankheit und unproduktiven Zeiten bleiben z. B. 1.400 produktive Stunden. Schon allein die Lohnkosten ergeben damit rund 39 € pro produktiver Stunde – vor Gemeinkosten, Wagnis und Gewinn. Der tatsächlich nötige Verrechnungssatz liegt deutlich höher. (Beispielzahlen.)
Typische Fehler
- Zu viele Stunden als produktiv angesetzt.
- Gemeinkosten unvollständig erfasst (Fahrzeuge, Werkzeug, Verwaltung).
- Lohnnebenkosten unterschätzt – im Bau zusätzlich die SOKA-Beiträge.
- Kein Zuschlag für Wagnis und Gewinn.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lohn und Stundenverrechnungssatz?
Der Lohn ist, was der Mitarbeiter bekommt. Der Stundenverrechnungssatz ist, was Sie dem Kunden berechnen müssen, um Lohn, Lohnnebenkosten, Gemeinkosten, Wagnis und Gewinn zu decken.
Warum sind die produktiven Stunden so wichtig?
Weil sich alle Kosten nur auf die tatsächlich verrechenbaren Stunden verteilen. Setzt man zu viele produktive Stunden an, ist der Satz zu niedrig.
Muss ich SOKA-Bau im Stundensatz berücksichtigen?
Wenn Ihr Betrieb beitragspflichtig ist: ja. SOKA-Beiträge gehören zu den Lohnnebenkosten und müssen in die Kalkulation einfließen.
Wie oft sollte ich den Stundensatz prüfen?
Mindestens jährlich und bei spürbaren Kostenänderungen (Löhne, Material, Energie) – sonst entsteht schleichend eine Deckungslücke.
Wissen Sie, was Ihre Stunde wirklich kosten muss?
CAPSIVERA kalkuliert mit Ihnen den tragfähigen Stundenverrechnungssatz – mit echten Zahlen aus Ihrer Buchhaltung statt Bauchgefühl. Teil unserer betriebswirtschaftlichen Beratung fürs Handwerk.
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